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Fotos und eröffnungsrede der ausstellung "substanzen sind's" jetzt online


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SUBSTANZEN Hsin-Wen Tsao

Text: Maria Christine Holter

In der Philosophie, die sich schon in der Antike seit Aristoteles systematisch damit beschäftigt, aber auch in der Naturwissenschaft steht Substanz als Inbegriff des Stofflichen, Körperlichen im Gegensatz zum Geistigen, Imaginierten. Dies ist insofern interessant, da ja gerade die bildende Kunst ein untrennbares Beziehungsgeflecht von Imagination und Substanz eingeht, von Konzept, der Idee zur Bildfindung, und Material, dem Stoff zur Bildwerdung. Brigitte Lang spricht in ihrem Ausstellungskonzept noch einen Gedanken an, der uns bei näherer Betrachtung der einzelnen Kunstwerke ebenfalls behilflich sein kann: Sie streicht die Analogie zwischen der Substanz, der Beschaffenheit gesellschaftlicher Systeme – Verflechtungen, Ordnungen, Interdependenzen, und jener der Natur hervor.

Die poetische Installation der in Taiwan aufgewachsenen Hsin-Wen Tsao, stellt eine dreiteilige Fläche, um nicht zu sagen „Bett“ dar. Es ist bedeckt mit getrockneten Zweigen, Gräsern, Blättern und Blüten, wobei sich die pflanzlichen Elemente in unterschiedlichsten Trocknungsstadien befinden – von erst kürzlich gepflückt oder gesammelt bis schon länger in diversen Behältnissen zum Trocknen archiviert. Taos Bewusstsein um das Werden und Vergehen von Substanz, so auch der Titel ihrer Installation, ist ganz ursächlich mit der fernöstlichen Philosophie verbunden und integraler Bestandteil ihrer Persönlichkeit, wie man auch an dem von ihr verfassten Text zum Werk, sowie einem Zitat nach Lao-Tse nachvollziehen kann: „Das ist alles EINS. Das Leben IN der Substanz und UM die Substanz / Was aus dem Ewigseiendem gekommen, kehrt dahin auch zurück“. So hat auch der Tod keinen Stachel mehr, wie es in einem traditionellen Auferstehungslied unseres christlich-geprägten Kulturkreises heißt, sondern ist organischer Teil des ewigen Kreislaufs aller Existenz. Hsin-Wen hat diesen Punkt gestern de zitiert angesprochen – mag doch das kunstvoll gewobene Blumenfeld, das Assoziationen wie die drip paintings eines Jackson Pollock zulässt, auch an ein Grab erinnern, das den Menschen der Erde wieder zurückgibt.

- Auszug aus der Eröffnungrede im artP.kunstverein -

www.mariaholter.at


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